Vor der Geburt als Mensch

Bevor die menschliche Seele in der kosmischen Bewusstseinsebene erschaffen wurde, lebten die Menschen in einer Welt, die man den 1. Raum des unaussprechlichen Gottes nennt. Der Ursprung eines jeden Menschen ist ein Moment der Selbsterkenntnis des unaussprechlichen Gottes. Aus einem bestimmten Grund nennt man diese ursprünglichen Menschen Vaterlose. Jeder Vaterlose gestaltet sein Leben auf Grundlage der eigenen schöpferischen Kraft. Die geistigen Fähigkeiten eines Vaterlosen sind mit den geistigen Fähigkeiten eines Menschen nicht vergleichbar. Es ist eine völlig andere Lebenswelt. Das schöpferische Agieren ist für einen Vaterlosen seine alltägliche Routine. Die Heimat der Vaterlosen ist nicht innerhalb der niederen Ebenen und auch nicht innerhalb der höheren Ebenen. Sie ist nicht auf der Erde und auch nicht im Himmel.

Ein Vaterloser besitzt wie auch ein Mensch ein niederes Ego und ein höheres Ego. Das niedere Ego zeigt sich in seinem schöpferischen Agieren als Individuum. Das höhere Ego definiert sich über ein zurücknehmen dieses individuellen Agierens, um zu lernen, in eins mit dem unaussprechlichen Gott zu handeln. In dieser Weise entwickelt sich ein Vaterloser. Je mehr sich ein Vaterloser in seinem niederen Ego zurücknimmt, desto umfassender erfährt er sich im unaussprechlichen Gott. In einem bestimmten Moment dieser Erfahrung erfährt ein Vaterloser seine 2. Geburt. Es ist dies die Geburt als Mensch innerhalb des 1. Raums des unaussprechlichen Gottes. Es ist das höchste Ziel eines Vaterlosen, diese 2. Geburt in sich zu verwirklichen. Ein Vaterloser kann sich in seiner Individualität so zurücknehmen, dass er sich im unaussprechlichen Gott erfährt. Es ist ihm jedoch nicht möglich, das Erbe des göttlichen Vaters anzunehmen und ein Sohn Gottes zu werden. Um dies in sich zu verwirklichen, muss er als Mensch geboren werden. Das ist die Bedeutung der Seele des Menschen. Das ist auch der Grund, warum ein Vaterloser diesen Namen trägt. Er muss ein Mensch werden, damit der göttliche Vater sein Vater sein kann.

Hat ein Vaterloser die 2. Geburt erlebt, dann wird er nach seinem Ableben im 1. Raum des unaussprechlichen Gottes als Mensch in den niederen Ebenen geboren. Dann erst wird ein Mensch ein Mensch und erhält in der kosmischen Bewusstseinsebene eine menschliche Seele. Alle niederen und höheren Ebenen wurden deshalb erschaffen, damit ein Vaterloser ein Mensch werden kann und ein Mensch lernt, der Erbe Gottes zu werden. Mensch sein bedeutet, eine nächste Stufe der Selbsterkenntnis des unaussprechlichen Gottes zu sein.

Wer aufgrund seiner Entwicklung als Vaterloser als Mensch geboren wird, kommt in die niederen Ebenen. Nun beginnt der Kreislauf der Inkarnationen innerhalb der niederen Ebenen. Jeder Mensch besitzt durch seine Vergangenheit als Vaterloser eine grundsätzliche Unschuld. Durch die Gesetzmäßigkeiten der niederen Ebenen geschieht es jedoch, dass, handelt ein Mensch, er dadurch seine Unschuld verliert. Er muss lernen, diese Unschuld wiederzugewinnen, jedoch nicht als einzelne Zelle eines unendlichen Raums, welche sich mit dem Raum vereinigen möchte, sondern als göttliches Individuum und Erbe des göttlichen Vaters über dem gesamten Raum.

Aus einer unbewussten Erinnerung heraus versuchen Menschen, die Form der Entwicklung eines Vaterlosen auf der Erde zu kopieren. Daraus haben sich alle Formen der religiösen und geistigen Entwicklung gebildet, welche das schöpferische Agieren des Menschen in das Zentrum der Entwicklung stellen.

Die niederen Ebenen und deshalb auch die grobstoffliche Ebene sind nicht die Heimat der Menschen. Es ist ein Ort der Entwicklung der Seele. Der Mensch befindet sich auf der Erde in der Fremde. Es ist eine Zwischenstufe der Entwicklung. Seine Aufgabe ist es das Erbe des göttlichen Vaters anzunehmen. Wer dieses Erbe nicht annimmt und die göttliche Geburt in sich nicht verwirklicht, kann nicht in den Himmel gelangen.