Die Einfachheit auf dem Weg des Vaters

Zwischen den Menschen und den Göttern ihrer Religion gibt es eine feste Bindung. Diese Bindung beruht darauf, dass die Götter über die Menschen herrschen und sich diese den geistigen Kräften der Religion unterordnen. Dies betrifft ebenso alle Religionen, die sich selbst dem Monotheismus zuordnen oder Religionen, denen kein Gott vorsteht. Anstelle der unterschiedlichen Götter sind es geistige Hierarchien und verstorbene Menschen, welche die hierarchisch höheren und höchsten Stellungen einnehmen. In dieser Ordnung erfüllen die Menschen diesen rituellen Dienst, welchen die jeweilige Religion vorschreibt. Diesen Dienst vollbringen die Menschen entweder gemeinsam in einem Gottesdienst oder in einer rituellen Handlung, welche sie allein zu vollziehen haben. In vielen Religionen errichten die Gläubigen seit tausenden von Jahren die prunkvollsten Gotteshäuser und Tempel der Verehrung der geistigen Hierarchie.

Das gesamte grobstoffliche und geistige Gebäude einer Religion dient der Einbindung des Menschen in dieses Gebäude für die Verehrung der jeweiligen Götter und die Aufrechterhaltung der Religion. Es ist nicht richtig, dass die sogenannten monotheistischen Religionen den gleichen Gott verehren. Die Götter der Religionen sind verschieden und werden über die Hierarchien der Priesterschaft und über die Gläubigen definiert. Die Götter sind reale geistige Kräfte, welche ihre Macht von den Menschen erhalten. Vor allen anderen Dingen sind sie daran interessiert, dass sich die Menschen innerhalb der Religion ihnen unterordnen.

Eine Religion gleicht innerhalb der niederen Ebenen einem in sich geschlossenen Raum. Der hierarchisch höchste Ort innerhalb dieser Kuppel entspricht entweder der Mentalebene oder der kosmischen Bewusstseinsebene. Es gibt heute keine Religion, in welcher man die höheren Ebenen finden könnte. Dies gilt auch für die Gnosis. Auch wenn man in ihr die Unterscheidung zwischen den niederen und höheren Ebenen finden kann, so definiert sie sich als Erlöserreligion. Es ist jedoch nicht möglich, dass ein Erbe des Vaters einen anderen Menschen erlösen könnte. Das widerspricht den Gesetzen der göttlichen Mutter und des göttlichen Vaters.

Wer innerhalb einer Religion versucht, sich zu befreien oder sich eine Erlösung erhofft, wird dies nur innerhalb des Raumes der Religion erreichen können. Es ist in dieser Weise jedoch nicht möglich, in den Himmel zu kommen. Die unabdingbare Voraussetzung dafür ist die göttliche Geburt im Menschen.

Diese göttliche Geburt ist innerhalb einer Religion nicht verwirklichbar. Das hat den Grund, weil ein Mensch, der zum 2. Mal geboren ist, hierarchisch über der gesamten Hierarchie einer Religion steht. Aus diesem Grund versuchen die Götter und die geistigen Hierarchien ebenso wie die in ihrem Dienst stehende Priesterschaft dies zu verleugnen. Hinter jeder Organisation stehen Menschen. Diese Menschen müssen die Verantwortung übernehmen, ganz unabhängig davon, ob sie die Verantwortung der Organisation zuschreiben.

Innerhalb einer Religion gibt es eine sehr starke emotionale Bindung zwischen den Menschen und den Göttern. Diese Bindung macht es für die einzelnen Menschen sehr schwer, sich im Sinne einer höheren Wahrheit davon zu lösen. Gleichzeitig deckelt diese Bindung, drückt man es bildhaft aus, die seelisch geistige Entwicklung der Menschen.

Es ist auf dem Weg des Vaters wichtig, sich von religiösen Bindungen zu befreien. Die Götter und geistigen Hierarchien der Religionen wollen nicht, dass das Göttliche im Menschen geboren wird. Es ist sehr bequem, innerhalb einer Religion im Sinne der Priesterschaft zu agieren und glauben zu wollen, dass man erlöst oder befreit wird. Durch diese Lösung ist es möglich, sich über die Begrenzung der Religion zu erheben.

Der Weg des Vaters ist ein Weg, den jeder Mensch für sich selbst geht und jeder muss für sich selbst die Verantwortung übernehmen. Es ist ein Weg von Wahrheit zu Wahrheit und es braucht keinen Priester, der zwischen ihm und dem göttlichen Vater vermittelt.

Der göttliche Vater möchte kein Gotteshaus und er möchte keine rituelle Verehrung. Alles das sind äußere Formen, durch welche geistige Substanzen erschaffen werden. Diese Substanzen werden mit der Zeit mächtiger und die Folge ist, dass sich der Mensch durch seinen Glauben selbst ein geistiges Gebäude erschafft, durch welches er sich begrenzt.

Man muss kein Meditationszimmer haben, man kann dort meditieren, wo man sich zuvor einen Film angesehen hat. Es ist auch möglich in der Natur oder während einer Zugfahrt zu meditieren. Alle diese Dinge sind nicht so wichtig. Nicht ein Ritual und auch kein Gotteshaus oder Tempel bringt einen Menschen näher zum göttlichen Vater. Er muss in sich selbst das Erbe des Vaters annehmen. Hinter seinem Herzen liegt der Ort des Durchgangs in den Himmel.