Das Fortschreiten auf dem Weg

Wer das Ziel auf dem Weg des Vaters in sich verwirklicht hat, die göttliche Geburt, ist ab diesem Moment nicht mehr Teil der niederen Ebenen. Die Heimat dieses Sohnes Gottes ist, wobei es keine Rolle spielt, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, der Himmel. Derjenige hat sich vollkommen befreit und gelangt nach dem physischen Tod vor die Lichtjungfrau, die diesem Erben des Vaters den Durchgang in die höheren Ebenen öffnet. Lebt derjenige nach der göttlichen Geburt noch längere Zeit auf der Erde, dann öffnen sich ihm schrittweise die Mysterien des unaussprechlichen Gottes. Die göttliche Geburt ist einerseits das Ende der seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen und gleichzeitig der Beginn der Entwicklung eines Erben des Vaters. Ein Erbe des Vaters ist, lebt er auf der Erde, ein Vertreter des göttlichen Vaters. Einerseits besitzt er keine persönliche Macht und andererseits, handelt er in eins mit seinem Vater, ist seine Macht unbegreiflich. Er lebt unter den Menschen, arbeitet und führt in den alltäglichen Dingen ein normales Leben und gleichzeitig ist er für niemanden mehr greifbar. Die Aufgabe eines Sohnes Gottes ist es zu lernen, ein Sohn Gottes zu sein. In den Augen des göttlichen Vaters ist er oder sie ein Kind, ein Säugling, der die ersten Schritte lernt zu gehen. In den Augen des größten spirituellen Meisters der Menschen ist er oder sie in der göttlichen Größe unerreichbar.

Die Weisheit eines Sohnes Gottes unterscheidet sich von jeder anderen spirituellen Weisheit der Menschheit. Der große Irrtum der Menschheit ist es seit jeher zu glauben, als Mensch Vollkommenheit erreichen zu müssen. Die Seele des Menschen stammt aus dem 13. Aeon. Diese Ebene ist die höchste der niederen Ebenen. Dort endet jeder Weg der menschlichen Vollkommenheit.

Wer jedoch um das göttliche Erbe in der eigenen Seele weiß, geht den Weg, diese innerste Instanz bildhaft ausgedrückt freizulegen, indem man schrittweise jede Schicht, die den Weg dorthin versperrt, in sich selbst erkennt. Für dieses schrittweise Erkennen braucht es Disziplin. Ebenso bedarf es alle Aspekte des Weges des Vaters betreffend eine durchgehende und große Ernsthaftigkeit.

Der Weg des Vaters ist kein Weg der Verwirklichung der physischen oder geistigen Wünsche und Vorstellungen. Es ist einem Menschen für lange Zeit auf dem Weg nicht möglich, sich den Himmel vorzustellen. Es ist weniger der Raum des Himmels, sondern vielmehr die mit dem göttlichen Geist vereinigte Seele eines Erben des Vaters. Bescheidenheit, Nächstenliebe und die Zurücknahme der persönlichen Macht sind auf dem Weg deshalb notwendige Eigenschaften, weil man dadurch lernt, sich selbst zurückzustellen und dem Göttlichen in sich den Raum gibt, schrittweise an die Oberfläche zu kommen.

Das Wissen und die Weisheit des Weges des Vaters ist der Menschheit seit der Sintflut nicht bekannt. Auch wenn in manchen Schriften Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten erklärt werden, so gibt es keine Beschreibung für einen praktischen Weg, den grundsätzlich jeder Mensch gehen kann. Zu erkennen, wie wenig die Menschheit über diesen Weg weiß, ist für viele ein Schock und nur schwer zu begreifen. Dazu kommt, dass viele Menschen oftmals über Jahre einen religiösen und esoterischen Weg gehen und sich intensiv mit geistigen und seelischen Inhalten auseinandersetzen. Das Eingeständnis des eigenen Nichtwissens ist für sie nicht einfach.

Auf dem Weg zu studieren und zu meditieren bedeutet, eine stetige Veränderung in sich zu erfahren. Mit jeder Erfahrung wird man aufgefordert, Vorstellungen und Ideen zu hinterfragen und zu ändern. Diese dauernde innere Veränderung ist für viele Menschen sehr anstrengend. Die Gesetzmäßigkeiten und Ordnungen der niederen und höheren Ebenen sind beschreibbar und wer sie studiert, wird in sich schrittweise eine seelisch-geistige Struktur aufbauen, die für das Weitergehen auf dem Weg eine große Hilfe ist. Man muss jedoch wissen, dass nur die tiefe innere Erkenntnis mit der gleichzeitigen Erfahrung ein wahrhaftiger Fortschritt ist. Ein Gesetz zu erfahren bedeutet, die Wirklichkeit aus den Augen des göttlichen Vaters zu erkennen.

Die Selbstständigkeit und Selbstverantwortung, die der Weg des Vaters fordert, sind für viele Menschen nicht einfach zu verstehen. Auch wenn es auf den ersten Blick nur natürlich klingt, widerspricht eine tiefere Erkenntnis vielen gängigen und gewohnten Glaubensinhalten. Auf einen höheren Nenner gebracht bedeutet es, dass man sich selbst erlösen muss. Wer einem Menschen folgt, wird ein Diener eines Menschen und wer einem der Götter folgt, wird ein Diener eines Gottes. Die Welt der Götter und der spirituellen Meister sind die Astralebene und die Mentalebene. Dort leben die Menschen in der Regulierung der Götter und dieser Menschen, die sie verehrt haben. Dieses Leben ist mit der Würde eines Menschen nicht vereinbar. Wer diesen Weg geht, kann nicht in den Himmel gelangen. Sich selbst zu erlösen bedeutet, das Licht des göttlichen Vaters in manchen Teilen selbst zu werden. Im Himmel leben sehr viele Söhne Gottes, Männern und Frauen. Man ist niemals ein Diener des göttlichen Vaters, sondern sein geliebter Sohn.

Auch wenn die Selbstständigkeit auf dem Weg eine Voraussetzung für die göttliche Geburt ist, so ist es ohne Hilfe nicht möglich, den Weg in den Himmel zu finden. Es braucht die Nüchternheit und eine innere Verbindung in das Licht des Himmels, geht jemand den Weg ohne Hilfe. Das Licht des Himmels zeigt sich als unablässige und rastlose Suche. Niemand, der in einer Lehre, einer Weisheit oder einer Religion Heimat und eine gewisse Ruhe gefunden hat, besitzt diese Nüchternheit. Es ist ein Zeichen der Nüchternheit und des Lichts des Himmels, in der Sphära keine Heimat finden zu können.

Derjenige, der die Hilfe gibt, muss sich seiner Verantwortung bewusst sein. Ein Lehrer auf dem Weg des Vaters kann nur ein Sohn Gottes sein. Ist man dies nicht, dann kann man sich im Gespräch austauschen und voneinander lernen. Niemals darf man jedoch behaupten, dass man ein Sohn Gottes ist, obwohl man die göttliche Geburt noch nicht verwirklicht hat. Ist dies jedoch geschehen, dann ist es eine Aufgabe auf dem Weg, dieses eigene Licht der Seele leuchten zu lassen. Dann können es die anderen Menschen sehen und über dieses Licht die notwendige Hilfe auf ihrem Weg des Vaters bekommen.