Jede Erkenntnis oder Gnosis bewirkt eine innere Veränderung. Was kurze Zeit zuvor noch als Wahrheit erkannt wurde, entpuppt sich als Teilwahrheit, Halbwahrheit oder als unwahr. Eine Herausforderung auf dem Weg des Vaters ist die andauernde innere Veränderung. Jede Erkenntnis ist im Licht der göttlichen Erkenntnis ein Schritt in die richtige Richtung. Anzunehmen, dass man die höchste Wahrheit besitzt, bedeutet, dass dieser Mensch auf seinem Weg stehen geblieben ist.

Manche Erkenntnisse sind derart durchdringend, dass gewohnte Vorstellungen von großen Zusammenhängen in sich zusammenbrechen. Plötzlich bewirkt die Gnosis einen anderen Blick. Viele Menschen sind diese Art der Entwicklung durch die fortschreitende Erkenntnis nicht gewohnt. In den Religionen und Einweihungslehren werden gewisse Inhalte als unveränderlich definiert.

Wer auf seinem Weg dauernd zurückblickt, identifiziert sich mit einer schon überwundenen Entwicklungsstufe. Es beginnt ein innerer Streit zwischen der vergangenen Wahrheit und der gegenwärtigen Wahrheit. Meistens verbinden die Menschen die Religionen und Lehren in ihrer Vergangenheit mit Gefühlen und Emotionen, was eine Veränderung erschwert. Überwindet man diesen inneren Streit, dann kann das höhere Wissen zur Erkenntnis werden.

Es ist zu wenig, eine neue Wahrheit intelligenzhaft einzusehen und gefühlshaft in der Vergangenheit zu schwelgen. Man muss sich der neuen und höheren Wahrheit zuwenden. Wer dauernd zurückblickt, erstarrt innerlich.

Vor allem braucht es die eigene Erfahrung. Jeder Mensch muss selbst zur jeweiligen Erkenntnis gelangen. Wer sich damit begnügt, einen anderen Menschen zu kennen, der ein höheres Wissen als Gnosis verwirklicht hat, ordnet sich unter und bleibt auf der gegenwärtigen Stufe stehen. Nur die eigene Erkenntnis führt zur Entwicklung auf dem Weg des Vaters.

Woher man das Wissen bekommen hat, ist nicht wesentlich. Dies kann über Bücher, Vorträge oder Gespräche geschehen sein. Wesentlich ist, dass dieses Wissen nicht nur bloßes Wissen bleibt. Das Wissen muss zur Erkenntnis werden. Das gelingt zuerst über das Studium und dann über die Meditation.

Die Erkenntnis ist nur mit einem Inhalt möglich, der einer nächsten höheren Wahrheit entspricht. Ansonsten ist es die Annahme einer Imagination als Wahrheit. Wer diesen Weg geht, bindet sich an die jeweiligen religiösen oder spirituellen Inhalte. Derjenige wählt das Geringe und lehnt das Große ab. Jeder Mensch muss sich selbst entscheiden.

Die eigene Erkenntnis oder Gnosis führt zur göttlichen Geburt im Menschen. Das ist das Ziel auf dem Weg des Vaters. Die Hilfe, die jeder ernsthaft Suchende auf dem Weg des Vaters erhält, kommt von Melchisedek. Er ermöglicht die Erkenntnis oder Gnosis. Die Ordnung Melchisedek, wie sie in alten Zeiten genannt wurde, betrifft alle jene Menschen, die den Weg des Vaters für die Verwirklichung der zweiten Geburt gehen.